Wenn die Eltern ihre Post nicht mehr lesen können
Viele erwachsene Kinder merken es erst spät: Auf dem Küchentisch liegt ein Stapel ungeöffneter Briefe, eine Rechnung wurde vergessen, plötzlich kommt eine Mahnung. Oft steckt nicht Nachlässigkeit dahinter, sondern dass das Lesen mühsam geworden ist.
Diese Seite zeigt Ihnen, woran Sie das erkennen, wie Sie das Thema ansprechen und wie Lesefee Ihren Eltern helfen kann, ihre Post wieder selbst zu erledigen.
Anzeichen, dass die Post schwerfällt
Achten Sie bei Ihrem nächsten Besuch auf kleine Hinweise:
- Briefe bleiben ungeöffnet liegen oder werden in Schubladen gesammelt.
- Rechnungen werden zu spät oder gar nicht bezahlt.
- Es kommen Mahnungen oder Erinnerungen, die vorher nie nötig waren.
- Ihre Mutter oder Ihr Vater bittet Sie häufiger, «kurz etwas vorzulesen».
- Die Lupe liegt immer griffbereit, oder Briefe werden ganz nah ans Gesicht gehalten.
Ein einzelnes Anzeichen bedeutet noch nicht viel. Wenn mehrere zusammenkommen, lohnt sich ein ruhiges Gespräch.
Respektvoll darüber sprechen
Für viele ältere Menschen ist es wichtig, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln. Wer Hilfe anbietet, sollte das nicht als Kontrolle verpacken. Beginnen Sie mit einer Beobachtung statt mit einem Vorwurf, zum Beispiel: «Mir ist aufgefallen, dass das Lesen anstrengender geworden ist. Wie geht es dir damit?»
Betonen Sie, dass es um Erleichterung geht und nicht darum, etwas wegzunehmen. Fragen Sie, was Ihre Eltern sich selbst wünschen. Manche möchten nur jemanden, der ab und zu mitschaut. Andere sind froh über ein Hilfsmittel, mit dem sie unabhängig bleiben.
Lesefee in 5 Minuten einrichten
Sie brauchen dafür nur das Handy Ihrer Eltern und ein paar Minuten Zeit:
- Öffnen Sie lesefee.ch im Browser des Handys (Safari auf dem iPhone, Chrome auf Android).
- Legen Sie die Seite auf den Startbildschirm: Auf dem iPhone über «Teilen» und «Zum Home-Bildschirm», auf Android über das Menü und «Zum Startbildschirm hinzufügen». So entsteht ein Symbol wie bei einer App.
- Stellen Sie unter «Schrift vergrössern» die passende Grösse ein und probieren Sie bei Bedarf die Ansicht mit hohem Kontrast.
- Spielen Sie gemeinsam den erfundenen Beispielbrief durch. So sieht Ihre Mutter oder Ihr Vater, wie Vorlesen, Pausieren und Nachfragen funktionieren.
- Scannen Sie zum Schluss gemeinsam einen echten, harmlosen Brief. Beim ersten Mal fragt Lesefee um Erlaubnis für Kamera und Übermittlung.
Ein Konto oder eine E-Mail-Adresse ist nicht nötig. Es gibt nichts, woran man sich erinnern muss, ausser dem Symbol auf dem Startbildschirm.
Mit einem wöchentlichen Anruf kombinieren
Lesefee hilft beim Lesen, aber es ersetzt nicht den Kontakt zu Ihnen. Viele Familien vereinbaren einen festen Telefontermin, zum Beispiel jeden Sonntag. Dann fragen Sie: «Ist diese Woche wichtige Post gekommen?» Ihre Eltern können sich vorher von Lesefee erklären lassen, worum es geht, und Ihnen dann davon erzählen.
Wenn Ihre Mutter oder Ihr Vater möchte, kann sie oder er Ihnen über «Hilfe von vertrauter Person» einen Ausschnitt schicken. Dabei entscheidet Ihr Elternteil selbst, was geteilt wird, und verschickt es über das eigene Handy. Lesefee sendet nichts automatisch.
Wenn mehr Hilfe nötig ist
Manchmal reicht Vorlesen nicht mehr aus, etwa wenn auch das Verstehen oder das Bezahlen schwerfällt. In der Schweiz gibt es verschiedene Angebote, über die Sie sich informieren können:
- Spitex: Hilfe und Pflege zu Hause, je nach Region mit unterschiedlichen Leistungen.
- Pro Senectute: Beratung für ältere Menschen, in vielen Kantonen auch Unterstützung bei administrativen Aufgaben.
- Beistand: Wenn jemand seine Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln kann, ist die KESB der Ansprechpartner.
Welche Hilfe passt, hängt von der Situation ab. Erkundigen Sie sich direkt bei den Stellen in Ihrer Region. Lesefee gibt keine rechtliche Beratung.